Klimawandel in den Alpen

Die Alpen haben eine herausragende Bedeutung, wenn Klimawandel und Erderwärmung Gegenstand von Untersuchungen sind. So ist weltweit ein Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen nachzuweisen, und dieser Trend zeigt sich in den Aufzeichnungen für den regionalen Bereich der Alpen deutlich stärker. Die Jahre 1994, 2000, 2002 sowie 2003 sind als die wärmsten der letzten 500 Jahre dokumentiert. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht von Shardul Agrawala. Der Klimaexperte im Umweltdirektorat der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht besonders die Wintersportgebiete Deutschlands in den Alpen bedroht. Aber nicht nur in Deutschland ist der Tourismus eine wirtschaftliche Schlüsselbranche im Alpenraum. Schweizer Banken haben es in der Vergangenheit abgelehnt, Kredite für den Bau und die Unterhaltung von Skianlagen auf einem Höhenniveau unterhalb von 1.500 Metern bereitzustellen. Auswertungen von internationalen Risikoanalysen können der Auslöser für die Zurückhaltung der Geldinstitute gewesen sein.

Das OECD-Papier aus dem Jahr 2007 prognostiziert weitere und weitaus stärkere Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten. Sein Untertitel belegt unmissverständlich eine Tendenz, wenn hier von der Anpassung des Naturgefahrenmanagements gesprochen wird. Die dem Bericht zugrunde liegenden Klimamodelle untermauern eine anhaltende Abnahme der Schneedecke in niedrigen Gebirgslagen. Verschärfend kommt hinzu, dass sich seit 1850 die Fläche der Gletscher halbiert hat. 2003 war ein negatives Rekordjahr, die Eisspeicher der Gebirge haben in dem Jahr bis zu zehn Prozent ihrer Fläche verloren. Forscher vom Geographischen Institut der Universität Zürich behaupten, es könnten sämtliche Alpengletscher schmelzen. Die europäischen Alpen wären eisfrei, wenn bis zum Ende des Jahrhunderts ein Temperaturanstieg um fünf Grad zu verzeichnen sei.

Die internationale Alpenschutzkommission CIPRA aus Lichtenstein hat im Jahr 2002 einen Hintergrundbericht veröffentlicht, der die aktuellen Gefährdungen für die Alpenregion thematisiert. Hierin wird insbesondere auf die Gefahren durch Veränderungen der Dauerfrostböden hingewiesen. Die Alpen sind ein Wasserspeicher für Zentraleuropa. Das gefrorene Wasser in den Permafrostböden hält gewissermaßen als Bindemittel alles zusammen. An festes Gestein sind Böden und Moränen gebunden. Das vom Gletscher transportierte Geröllmaterial kann ausschmelzen und aufgrund von Massenbewegungen unbekannten Ausmaßes Talsiedlungen und die Infrastruktur gefährden. Die Hänge der Alpen werden instabil, Fels- und Bergstürze sowie Erdrutsche können die Folge sein.

Auch ohne diese Begleiterscheinungen haben die Alpenanrainer Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und die Schweiz schon heute die Folgen des Klimawandels zu tragen. Mit großem Aufwand wird versucht, den Wintertourismus als wichtigste Einnahmequelle zu erhalten. Sehr kostenintensive Maßnahmen, wie die Erzeugung von Kunstschnee, die Präparierung der Pisten und der Schutz von Gletschern mit weißen Kunststoffplanen sollen das Ausbleiben von Neuschnee kompensieren.